Informationen zum Erkennen eines Hilfebedarfes/Schulungen

Sind Sie in einem Jugendamt, als (Schul-) SozialarbeiterIn oder LehrerIn tätig, betreuen Sie ein Mädchen/ eine junge Frau und sind sich nicht sicher, ob es/ sie Hilfe benötigt? Zum Beispiel vermuten Sie, dass das Mädchen von einer Zwangsverheiratung bedroht ist?

Nicht jedes Mädchen ist in der Lage, aktiv Hilfe zu holen und auf eine missliche familiäre Situation hinzuweisen! Viele Mädchen/ junge Frauen haben Angst vor diesem Schritt, schämen sich und/ oder wissen nicht, dass ihnen geholfen werden kann.

Viele der betroffenen Mädchen/ jungen Frauen befürchten, dass das Einbeziehen einer dritten Person oder einer Institution dazu führen kann, dass die familiären Probleme, der ausgeübte Druck durch die Familie größer wird. Häufig wird in den patriarchalisch geprägten Familienstrukturen nicht geduldet, dass Dritte sich in Familienangelegenheiten einmischen. Die „Ehre“ der Familie ist in „Gefahr“, wenn Konflikte innerhalb der Familie nach außen getragen werden. Das Einbeziehen weiterer Personen ist demnach tabu. Dies sind u. a. Gründe dafür, weshalb viele Mädchen sich keine Hilfe holen und die Gewalterfahrungen aushalten bzw. sich den Anforderungen der Familie beugen.

Daher ist es besonders wichtig, dass Sie Signale erkennen, richtig einschätzen und aktiv werden.

Im Folgenden machen wir auf einige Warnsignale aufmerksam, die darauf schließen können, dass ein Mädchen zu Hause Probleme hat und eine Hilfemaßnahme erforderlich ist. In einer nach außen hin scheinbar gut integrierten Familie können zum Beispiel trotzdem traditionelle Strukturen wie u. a. Zwangsverheiratung fortgeführt werden, daher ist das genaue Hinsehen und Nachfragen sehr wichtig. Es sind folglich nicht nur die Mädchen mit Kopftuch und/ oder Sprachdefiziten, die unter den patriarchalisch geprägten Familienstrukturen leiden, sondern häufig Mädchen, die augenscheinlich gut integriert sind und z. B. einen deutschen Pass oder ein „modernes“ Erscheinungsbild haben. 

Folgende Signale können auf einen Hilfebedarf schließen, wenn das Mädchen:

  • kein Handy haben darf
  • nie an schulischen Aktionen wie z. B. einer Klassenfahrt und/ oder am Schwimmunterricht teilnehmen darf
  • die schulische Leistung abrupt nachlässt oder immer wieder Leistungsschwankungen auftreten
  • häufig die Schule schwänzt
  • ungern nach Schulschluss oder nach einer Freizeitaktivität nach Hause möchte
  • sich nicht auf die Ferien freut und im Vorfeld ein verändertes Verhalten zeigt
  • keine Freizeitaktivitäten wie z. B. ein Sportkurs wahrnehmen darf
  • plötzlich äußerliche Veränderungen, Auffälligkeiten zeigt
  • aggressiv ist
  • keine Perspektive hat und z. B. nicht nach einem Ausbildungsplatz sucht, da es z. B. verheiratet werden soll.

Folgende Signale deuten definitiv auf einen Hilfebedarf hin, wenn das Mädchen:

  • häufiger blaue Flecken oder Verletzungen hat
  • Verwahrlosungstendenzen (z. B. sehr ungepflegtes Äußeres) zeigt
  • es kontrolliert wird.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass das Mädchen Hilfe benötigt, suchen Sie das Gespräch mit dem Mädchen. Empfehlenswert ist, dass Sie das Gespräch mit dem Mädchen alleine und außerhalb der Familie suchen, ein Einbeziehen der Familie kann wie beschrieben für das Mädchen negative Konsequenzen nach sich ziehen. Auf keinen Fall sollten Sie ungefragt Dritte hinzuziehen!

Egal ob ein Mädchen oder eine junge Frau direkt Hilfe anfragt oder erst auf Ansprache von einer gewaltbesetzten Situation zu Hause oder anderen Problematiken berichtet, es ist bedeutend, dass Sie das Mädchen ernst nehmen und am Ball bleiben, um zu helfen bzw. Hilfeinstanzen zu kontaktieren! Es ist wichtig, dass sie hierbei behutsam umgehen und das Mädchen/ die junge Frau bestärken.

Wenn Sie (Rück-)Fragen haben, können Sie sich jederzeit mit uns unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 6647799 oder per E-Mail (info@ada-schutzhaus.de) in Verbindung setzen. Sie können auch gerne zusammen mit dem Mädchen anrufen.

Gerne können Sie unsere Fachkompetenz sowie unser Expertenwissen im Rahmen einer Fortbildung/ Schulung nutzen. Wenden Sie sich dazu bitte an die angegebenen Kontaktmöglichkeiten.  

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